Bulletproof

von und mit Grischka Voss

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In einem Interview hast du gesagt, „eine Frau, die in unserer Gesellschaft ungehemmt ihre Lust auslebt, muss kugelsicher sein“. Wie verträgt sich das mit dem Fakt, dass zumindest ein Teil weiblicher Lust untrennbar verbunden ist mit dem sich Aufmachen und dem Zulassen von Verletzbarkeit?
 
Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft in der sich zwar schon einiges zu Gunsten der Frauen verbessert hat, aber noch immer herrschen unglaubliche Missstände und ein totales Ungleichgewicht. Daher muss eine Frau, um ihre Weichheit und Offenheit leben zu können, im Alltag und im Berufsleben gewissermaßen eine kugelsichere Weste tragen, um nicht dauernd umgeblasen zu werden. Beziehungsweise verstehe ich unter „kugelsicher“ auch das gesunde Selbstbewusstsein von Frauen, an dem alles abprallt, wie bei einem Panzer. Zu sich und der eigenen Weiblichkeit zu stehen und es als Selbstverständlichkeit verinnerlicht zu haben, dass alles, was diese Weichheit und Offenheit verletzt oder beeinträchtigt, im schlimmsten Falle sexueller Missbrauch etc., nicht vorkommen darf und Frau das laut und selbstbewusst kund tun darf und muss. Und zwar ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, einfach weil es ihr absolutes Recht ist.
 
Deine Figur Amanda redet viel, aber gleichzeitig findet sie für Vieles keine Worte. Wie willst du diese Seite von ihr sichtbar machen?
 
Ich habe schon vor einigen Jahren begonnen, immer mehr Tanz und Bewegungselemente in meine Arbeiten zu integrieren, weil ich finde, dass man über den Körper die emotionalen Kämpfe einer Figur viel besser und direkter ausdrücken kann. Ein stummer, zusammengekauerter Körper erzählt mir in einem einzigen Bild alles, wofür man sonst einen langen Monolog bräuchte. Amanda kann über ihre innere Wunde, ihre Kaputtheit nicht sprechen, aber ihr Körper. Ich werde mit meinem Körper in zwei Tanzsequenzen die andere Geschichte von Amanda erzählen, die, die sich nicht in Worte fassen lässt. 

 
Dein Zugang zum Thema ist voller Humor. Manche Menschen können aber Sexualität und Humor schlecht zusammenbringen jenseits abwertender Witze über Frauen oder Homosexuelle. Kann Humor auch emanzipatorische Kräfte freisetzen?


Ich finde gerade beim Sex sollte man auf keinen Fall den Humor vergessen. Wenn man im Bett nicht miteinander lachen kann, würde ich das als Beziehungskrampf bezeichnen. Ich würde sagen, Humor ist mein Hauptantriebsmotor, der unerschöpflich Kräfte frei setzt. Die humorvolle Betrachtung von Erfahrungen, Ereignissen, ist das Heilmittel, das mir immer wieder die Kraft verleiht durchzuhalten und weiter zu machen. Und natürlich, da ich eine emanzipierte Frau bin, werden demnach auch emanzipatorische Kräfte frei gesetzt. Bei all meinen Arbeiten hoffe ich über den schwarzen, anarchistischen Humor Menschen unmittelbar zu bewegen. Mit Bulletproof möchte ich vor allem Frauen dazu animieren, sich zu befreien, zu entdecken, die Kraft ihrer Lust zu entfesseln. Ich fände es großartig, wenn nach jeder Vorstellung eine entfesselte Horde aus der Drachengasse auszieht, um einfach Spaß zu haben!
 
© Grischka Voss

 

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